Seine Erfindungen:
Am 11. September 1820 hört Ampère von Oersteds
neuester Entdeckung, dass ein in einem Draht fließender
elektrischer Strom eine Magnetnadel ablenkt.
Daraufhin kauft er sich eine sehr große Voltasäule
und beginnt zu experimentieren. Und tatsächlich: Innerhalb
weniger Monate gelingt es ihm, eine vollständige Theorie
des Elektromagnetismus zu finden. Der Satz: "Der Magnetismus
einer Substanz wie Eisen ist so zu verstehen, dass jedes Molekül
einen geschlossenen Stromkreis enthält" ist für
die damalige Zeit eine wahrhaft unglaubliche Erkenntnis.
Ampère findet somit eine im Jahr 1820 völlig
neue Theorie des Magneten. Diese belegt er mit Experimenten,
die er sowohl allein als auch mit Freunden wie z.B. Poisson,
dem "Vater" der Statistik, durchführt. Seine
Experimente sind derartig überzeugend, dass seine Theorie
von niemandem angezweifelt wird. 1827 bringt er sein großes
Werk: Memoire sur la Theorie mathematique les phenomenes elektrodynamiques,
uniquement deduite de l'experience (Abhandlung über die
mathematische Theorie der elektrodynamischen Phänomene,
ausschließlich aus den Experimenten abgeleitet) heraus.
Ampères praktische Bedeutung:
Ganz einfach gesagt: Die Menge macht's aus. Die Menge der
Elektronen!
Die "alten" elektrostatischen Maschinen, also die
Maschinen bis zur Erfindung der Voltasäule, konnten zwar
bis zu 30 000 Volt erzeugen, aber höchstens 0,000 001
Ampère - Mikroampère. Ihre maximale Leistung
war ein Watt. Große Experimente und Wirkungen, die auch
sichtbar waren, waren damit nicht möglich (außer
Funken)!
Seit Volta und Ampère schaute die Sache ganz anders
aus. Napoleon schenkte der Pariser Universität eine Batterie
mit 3 000 Zellen, die zusammen ungefähr 3 000 Volt hatten.
Diese Batterie konnte ohne weiteres 10 Ampère liefern.
Ihre Leistung lag somit im Kilowattbereich.
Der Leistungsunterschied, der zwischen statischer und galvanischer
Elektrizität bestand, war so groß, dass viele Physiker
glaubten, es gäbe verschiedene Elektrizitäten.
Ampère fand die richtige Lösung innerhalb weniger
Monate!
Sein Leben:
Ampère, der "Newton der Elektrizität",
hatte es in seinem Leben nicht immer leicht. Sein Vater, der
von ihm sehr geliebt wurde, war ein wohlhabender Kaufmann
in Lyon. Eine öffentliche Schule hat Ampère nie
besucht. Sein Wissen hat er sich lediglich durch's lLesen
angeeignet. Er verschlang alle Bücher, die ihm in die
Hände fielen. Mit 14 Jahren ging er in eine Bibliothek
und verlangte ein Buch über Euler (berühmter Mathematiker
- Eulersche Gerade), der Bibliothekar war einigermaßen
erstaunt und wies Ampère darauf hin, dass dieses Buch
inhaltlich sehr anspruchsvoll und noch dazu in Latein geschrieben
sei. Ampère ließ sich dadurch nicht entmutigen
und lernte innerhalb weniger Wochen Latein. Danach machte
er sich wieder auf den Weg in die Bibliothek.
Während der Französischen Revolution wurde Ampères
Vater unschuldig hingerichtet. Mehr als ein Jahr war Ampère
wie gelähmt. Nur langsam gewann er sein seelisches Gleichgewicht
durch seine innige Frömmigkeit wieder zurück.
1796 sammelte Ampère Blumen für seine botanischen
Studien, als er plötzlich einer Gruppe Mädchen begegnete.
In eines dieser Mädchen verliebte er sich Hals über
Kopf. Er schrieb Gedichte über seine Liebe und verlobte
sich. Überaus glücklich heiratete er die junge Frau
und verdiente seinen Lebensunterhalt als Lehrer an Provinzschulen.
Aber wieder schlug das Schicksal unbarmherzig zu: Überraschend
starb seine geliebte Frau 1803.
Während sein Privatleben alles andere als glücklich
verlief, wurde Ampère zum Schulrat ernannt und arbeitete
als Professor an einigen Universitäten. Das Wort 'Kybernetik'
stammt übrigens von ihm.
Die zweite Ehe Ampères war im Gegensatz zur ersten
eine einzige Katastrophe. Überschattet durch die Streitigkeiten
mit seiner Schwiegermutter zerbrach die Ehe nach kurzer Zeit.
Ab diesem Zeitpunkt führte ihm seine Mutter das Haus.
Ampère war - wie es dem Klischee eines Wissenschaftlers
entspricht - oft geistesabwesend. Außerdem war er extrem
kurzsichtig. So konnte es schon einmal vorkommen, dass er
Napoleon Bonaparte traf und ihn nicht erkannte. Oft passierte
es auch, dass er mit seinem Taschentuch eine Tafel abwischte,
um sich daraufhin mit dem selben Taschentuch auch über
sein Gesicht zu wischen, was ihm - wie Augenzeugen berichteten
- ein etwas gespenstischen Aussehen verlieh.
Noch im Alter schrieb Ampère Gedichte, und auch leichte
Musik machte ihm große Freude. Mit schwieriger, ernsthafter
Musik konnte er aber nichts anfangen.
Wenn er auch in seinem Leben nur kurze Zeit Glück erleben
durfte, was zum Teil wohl auch daran lag, dass er für
ein praktisches Leben zu unbeholfen war, - seine Leistungen
für die Physik sind unsterblich.
Dass die elektrische Stromeinheit seinen Namen trägt
ist nur mehr als gerecht.
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