Seine Erfindungen:
Die Kaplan-Turbine
1913-1917 kämpfte Kaplan um die Anerkennung seiner
Erfindung, einer neuartigen Turbine, die auch in Amerika großes
Interesse fand. Die Kaplanturbine brachte durch die verstellbaren,
stromlinienförmig gebauten Laufschaufeln auch für
Niederdruckkraftwerke mit Gefällstufen unter 25m eine
Steigerung der Leistung.
In Velm bei Gramatneusiedl in Niederösterreich wurde
die erste Kaplanturbine in Betrieb genommen. Sie hatte einen
Laufraddurchmesser von 185 mm (heute beträgt dieser 9,3
m).
Die internationale Anerkennung auf der Versammlung der Weltkraftwerkskonferenz
in Berlin 1936 erlebte Victor Kaplan nicht mehr.
Auf der Weltkraftwerkskonferenz wurde erklärt, dass
"die Kaplanturbine" zu den größten Fortschritten
zähle, die auf dem Gebiet des Wasserkraftmaschinenbaus
je gemacht worden seien.
Die Kaplan-Turbine eignet sich besonders für Flüsse,
bei denen große Wassermengen bei geringem Gefälle
vorhanden sind. Vertikal eingebaute Kaplan-Turbinen werden
in Flusskraftwerken für Fallhöhen bis maximal 65
m eingesetzt.
Das Laufrad der Kaplan-Turbine ist einem Schiffspropeller
ähnlich. Durch dessen verstellbare Schaufeln strömen
die Wassermassen und treiben die Turbine an.
Der Leitapparat der Kaplan-Turbine besteht aus jalousieartigen
Lamellen. Er hat die Aufgabe, die einströmenden Wassermassen
so zu lenken, dass sie parallel zur Turbinenwelle auf die
Schaufeln des Laufrades treffen.
Die Schaufeln werden mit Servomotoren gesteuert. Verstellbar
sind sowohl die Schaufeln des Leitapparats als auch die Schaufeln
des Laufrades. Sie werden den Schwankungen der Wasserführung
und des Gefälles angepasst. Je nach Einsatzbereich werden
Kaplan-Turbinen mit drei bis sechs Laufradschaufeln gebaut.
Große Kaplan-Turbinen sind vorwiegend vertikal eingebaut,
so dass sie das Wasser von oben nach unten durchströmen.
Eine Kaplan-Turbine im Donaukraftwerk Aschach hat einen Laufraddurchmesser
von 8,4 m und ein Gesamtgewicht von 1 300 Tonnen. Kaplan-Turbinen
laufen äußerst schnell und haben einen Wirkungsgrad
bis zu 95 %.
Sonderform: TAT-Turbine
Bei kleineren Wasserkraftwerken (max. 10 MW) mit einer Fallhöhe
zwischen 2 und 24 m werden heute TAT-Turbinen (Tubular Axial
Turbines) eingesetzt. Das sind kleinere Kaplan-Turbinen mit
vorwiegend vertikaler Achse. Bei diesen Turbinen kann nur
entweder das Laufrad oder das Leitrad reguliert werden.
Die Kaplan-Rohrturbine
Aus der Kaplan-Turbine wurde für niedrige Fallhöhen
(max. 25 m) die Kaplan-Rohrturbine entwickelt, die Leistungen
bis zu 75 MW erzielt.
Die Rohrturbinen werden, um Umlenkverluste weitgehend zu
vermeiden, horizontal in der Richtung des strömenden
Wassers eingebaut. Der Generator befindet sich in der Verlängerung
der Turbinenwelle in einem vom Wasser umströmten, wasserdichten
Gehäuse.
Axial durchströmte Rohrturbinen haben mit dem höheren
Volllastwirkungsgrad sowie einer größeren Schluckfähigkeit
gegenüber vertikalen Kaplan-Turbinen vielfache Vorteile.
Rohrturbinen oder Horizontalturbinen sparen Platz und ermöglichen
geringere Bauhöhen der Krafthäuser. Dadurch wirken
sie weniger störend in der Landschaft. Aus diesem Grund
wurden in letzter Zeit vorwiegend Rohrturbinen installiert.
Sonderform: STRAFLO-Turbine
Eine Weiterentwicklung der Kaplan-Rohrturbine ist die STRAFLO-Turbine
(von engl. "straight flow" = "geradeaus fließen").
Turbine und Generator bilden bei der STRAFLO-Turbine eine
Einheit. Sie sind also nicht über eine Antriebswelle
verbunden. Der Generator liegt in der gleichen Ebene wie das
Laufrad, ist aber außerhalb des durchströmten Rohres
angeordnet. Die Lagerung befindet sich beidseits des Laufrades.
Das Wasser fließt also durch den Rotor des Generators
hindurch.
STRAFLO-Turbinen werden in Österreich eher selten verwendet.
Zwischen 1938 und 1950 wurden für 14 Niederdruckkraftwerke
in Österreich und Süddeutschland STRAFLO-Turbinen
gebaut.
Die größte STRAFLO-Turbine wurde für das
erste kanadische Gezeitenkraftwerk in Annapolis gebaut und
dient als Pilotprojekt. Damit sollen die Betriebseigenschaften
einer großen STRAFLO-Turbine und deren Eignung für
Fluss- und Gezeiten-Großkraftwerke untersucht werden.
Das Gezeitenkraftwerk Annapolis ist ein Kraftwerk mit Einfachwirkung.
Nur während das Wasser vom Annapolis-Staubecken in die
Annapolis-Bucht fließt, wird Strom erzeugt. Liegt der
Meeresspiegel über dem Spiegel des Staubeckens, so strömt
das Meerwasser in das Staubecken ohne dabei Strom zu erzeugen.
Der Durchmesser des Laufrades beträgt 7,6 m. Die Turbine
besitzt 18 Leitschaufeln und 4 Laufradschaufeln, ihre Leistung
beträgt 20 MW. Die Fallhöhe liegt zwischen 1,4 und
6,8 m.
Sonderform: S-Turbine
Eine Weiterentwicklung der Kaplan-Rohrturbine ist die S-Turbine.
Sie wird für kleinere Kraftwerke bis etwa 15 MW und Fallhöhen
bis 15 m (max. 25 m) standardmäßig gefertigt.
Das Saugrohr der Rohrturbine ist s-förmig gekrümmt.
An der Stelle der S-Krümmung wird die Welle zum Antrieb
des Generators herausgeführt. Die besonders kompakte
Bauweise und die einfach gehaltenen Ein- und Auslaufbauwerke
erfordern minimale Bauabmessungen und tragen damit zur Senkung
der Baukosten bei.
Durch die aufgrund der geringen Bauabmessungen mögliche
geringe Höhe der Krafthäuser können diese gut
in die Flusslandschaft eingegliedert werden. Vormontierte
Baugruppen ermöglichen minimale Montagezeiten und einen
weitgehend wartungsfreien, automatischen Betrieb.
Sonderform: Getriebe-Rohrturbine
Eine Weiterentwicklung der Kaplan-Rohrturbine ist die Getriebe-Rohrturbine.
Sie wird für kleinere Kraftwerke bis etwa 4 MW und kleine
Fallhöhen bis max. 12 m standardmäßig gefertigt.
Der Generator ist durch unterschiedliche Getriebearten über
eine horizontale oder vertikale Achse mit der Turbine verbunden.
Durch die Wahl der geeigneten Getriebeübersetzung ist
eine optimale Anpassung an die Turbinendrehzahl möglich.
Das Getriebe ist als eigenständige Einheit ohne Turbinendemontage
ausbaubar.
Die besonders kompakte Bauweise und die einfach gehaltenen
Ein- und Auslaufbauwerke erfordern minimale Bauabmessungen
und tragen damit zur Senkung der Baukosten bei. Die dadurch
mögliche geringe Krafthaushöhe ermöglicht eine
umweltfreundliche Eingliederung in die Flusslandschaft. Die
Getriebe-Rohrturbinen werden vollständig montiert geliefert
und erlauben einen weitgehend wartungsfreien, automatischen
Betrieb.
Sein Leben:
Der Entwickler der "Kaplanturbine", Viktor Kaplan,
erblickte am 27. November 1876 in Mürzzuschlag das Licht
der Welt. Schon von Kindesbeinen an war Viktor von der Welt
der Technik fasziniert und baute bereits im zarten Volksschulalter
Wasserräder. Wenig später folgten dann auch ein
Elektromotor sowie eine Dampfmaschine aus einer alten Blechdose.
Beeindruckend war auch seine nächste Entwicklung: ein
Fotoapparat, den er aus einigen Haushaltsutensilien herstellte.
Zu dieser Zeit wohnte die Familie Kaplan bereits in Wien,
wo Viktor die Realschule besuchte.
Nachdem er die Matura im Jahre 1895 abgelegt hatte, inskribierte
er an der Technischen Hochschule in der Bundeshauptstadt.
1909 promovierte er zum Doktor.
Seine erste Arbeitsstellen trat er aber bereits vor dem
Abschluss seines Studiums in einer Maschinenfabrik in Leobersdorf
an. Zwei Jahre später wurde der junge Ingenieur an die
Deutsche Hochschule nach Brünn berufen. Sein Forschungsinteresse
dort galt vorrangig der theoretischen Physik.
1909, knapp nach seiner Promotion, habilitierte Kaplan in
Brünn, wo er nun zum Adjunkten ernannt wurde. Im selben
Jahr heiratete er Margarethe Strasser, eine junge Frau, deren
Bekanntschaft er ein Jahr zuvor auf einer Skandinavienkreuzfahrt
gemacht hatte.
1912, nach intensiven Forschungsjahren im Turbinenambulatorium
in Brünn meldete Kaplan sein erstes Turbinenpatent an.
Zehn Jahre später, 1922, wurde die optimierte Kaplan-Turbine
fertiggestellt. In der letzten Phase der Untersuchungen musste
Viktor Kaplan jedoch aus gesundheitlichen Gründen sein
Team mit der Arbeit alleine lassen.
1925 wurden bereits einige Kaplan-Turbinen In Österreich
in Betrieb genommen. Auch die Schweden hatten die Leistungskraft
der Turbinen entdeckt und verwendeten sie für ihre Großkraftwerke.
Der Gesundheitszustand von Viktor Kaplan verschlechterte
sich in den darauffolgenden Jahren so sehr, dass er sich 1931
ins Privatleben zurückzog.
1934 starb er auf seinem Landsitz Rochuspoint in Unterach
am Attersee.
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